12.7.26

Nie aus dem Schneider

Als meine Mutter mit gebrochenem Schlüsselbein ins Krankenhaus kommt, bringen wir Geschwister meinen Vater in die Kurzzeitpflege und sorgen im Haushalt ein wenig für Ordnung.

Meine Schwägerin und mein Bruder reinigen den Kühlschrank und werfen so einiges weg, was bereits bessere Tage gesehen hat. Ich vollende ihr Werk, und entsorge alles, was das Mindesthaltbarkeitsdatum zum Teil schon um Jahre überschritten hat.

Meinem Vater bläue ich anschließend ein, dass wir Kinder die Verantwortung für die leeren Regale übernehmen. Er sei aus dem Schneider.

Doch der erwidert: „Ich bin der Ehemann, ich bin nie aus dem Schneider.“ Und ergänzt: „Du weißt ja, bis dass der Tod uns scheidet.


6.7.26

Busfahren 60plus

Die Fahrt nach Oberfranken reizt mich. Das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth, das Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach a. d. Saale und der Felsengarten Sanspareil stehen auf dem Programm.

Wie ich wohl klarkomme mit all den alten Teilnehmerinnen und Teilnehmer? Schließlich wird die Fahrt von der Akademie 60plus Nürnberg e.V. durchgeführt.

Einen kleinen Schreck bekomme ich gleich zu Beginn. Kurz nach der Abfahrt klärt uns Busfahrer Detlef über die Regeln an Bord des modernen Reisebusses inklusive der Toilettebenutzung auf: „Die Herren achten auf die Sauberkeit der Damen.“


23.6.26

Etwas Vergängliches für die letzte Ruhestätte

Die Nürnberger Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus sind etwas Besonderes. Gerade jetzt, im Juni, wenn die Rosen blühen.

Wer etwas auf sich hält, der schmückt sein Grab mit einem individuell angefertigten Epitaph. Doch es gibt viele Regeln

So heißt es auch, dass man sich keine Micky Mouse aufs Grab stellen darf. 

Etwas zum Anlass Passendes muss also her. Etwas, das sich mit unser aller Vergänglichkeit, dem Tod auseinandersetzt.

So gesehen ist das Schäufele, das ich kürzlich auf dem St. Rochusfriedhof entdeckt habe, durchaus passend: bei Fleisch-Liebhabern ist es ratzfatz vom Teller verschwunden. Und etwas Totes ist das „tote Tier“ ja schließlich auch.

(gesehen auf dem St. Rochusfriedhof in der Nähe der Friedhofskapelle)

17.6.26

Woran man beim Umsteigen so alles denken sollte

„Wir haben heute wieder die DB-Kinderbetreuung an Bord. Dort könnt Ihr basteln und spielen“, tönt es durch den ICE. 

Prompt folgt die Ergänzung: „An die Erwachsenen: Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Kinder vor dem Umsteigen auch wieder abzuholen.“

Muss wohl so oder ähnlich schon mal vorgefallen sein.


31.5.26

Sex Toi gefunden? Bei mir im Schlafzimmer?

Unsere Sechser-Frauengruppe ist bei mir zu Gast

Während ich in der Küche die letzten Vorbereitungen treffe, höre ich Sabine aus meinem Schlafzimmer rufen: „Was ist das denn für ein Sex Toi?“

Schnell gehe ich im Kopf alle Gegenstände durch, die sie in meinem Schlafzimmer entdeckt haben könnte. So, wie ich meine Bestände kenne, kann ein Sex Toi nicht dabei sein.

Als Sabine triumphierend aus dem Schlafzimmer kommt, hat sie meinen Stadtmauerturm in der Hand. Bereits vor Jahren hatte ich ihn erworben, und nun, nachdem meine neue Wohnung ganz nah an einem dieser im 17. Jahrhundert gerundeten Türme liegt, wieder hervorgekramt.


Jetzt aber mal ehrlich! Was ist denn schon dabei? Andere nehmen ihr Kuschel-Tier mit ins Bett, bei mir steht ein Kuschel-Stadtmauerturm im Schlafzimmer...


15.5.26

Streetphilosophy

Nach dem Trempelmarkt, Deutschlands größtem Innenstadtflohmarkt, bleibt so manch Unverkäufliches am Straßenrand zurück.

Bei diesen beiden Mädels ist es wie im richtigen Leben: Was der eine zu viel hat, hat der andere zu wenig (oder gar nicht). In diesem Fall Gesicht.


(beide Puppen gesehen am Straßenrand
nach dem Frühlings-Trempelmarkt 2026)


10.5.26

Erfolg auf ganzer Linie: zwei Schülerinnen „geflasht“

Nach dem Kunstbunker und dem Dürerhaus will kürzlich eine Lehrerin aus Chemnitz ihren Zöglingen auch noch spontan die Sebalduskirche näher bringen. Ein herausforderndes Programm, zumal einige der Real- und Mittel-Schülerinnen und -Schüler in ihrem ganzen Leben noch nie eine Kirche betreten hatten.

Doch der Besuch verläuft sehr entspannt. Ich habe sogar den Eindruck, dass sich etliche Schülerinnen und Schüler für die Geschichten rund um den Stadtheiligen und seine Kirche interessieren.

„Habt Ihr noch Fragen“, frage ich die Gruppe zum Abschluss. Und tatsächlich wollen zwei Schülerinnen wissen, was sich unter den (modernen) Abdeckungen im Fußboden befindet. Die Gruft einer Patrizierfamilie womöglich? Ich muss sie enttäuschen. Es handelt sich ganz simpel um die Zugänge zu den Kabelschächten.

„Und, meinen Sie, dass die Führung Ihren Schülern gefallen hat“, frage ich die Lehrerin.

„Ja, doch, zumindest zwei haben Sie geflasht“, antwortet sie, und schiebt hinterher: „Das ist eine sehr gute Quote.“

(Bei manchen Zielgruppen können moderne Kabelschächte
das weltberühmte, 500 Jahre alte Sebaldusgrab in den Hintergrund drängen)