20.8.25

Wie feinfühlig!

Klar, dass ich mich über Komplimente freue à la „Du siehst aber jünger aus!

Dass man sich jedoch auch als Frau Mitte 30 darüber freut wenn sie jemand für jünger hält, ist bei mir anscheinend in Vergessenheit geraten.

Mit unserem Frauen-Kneipenchor Stereosterne sitzen wir im Kater Murr, da gesellt sich ein junger Mann zu uns, der von den beiden Frauen neben mir eine Zigarette schnorren will.

Als er aufgeraucht hat und gegangen ist, grinsen die beiden über beide Ohren. „Er hat uns auf 28 geschätzt.“

Ohne groß nachzudenken, platzt es aus mir heraus: „Klar, das sagt er wegen der geschnorrten Zigarette!“

Die Retourkutsche folgt sofort: Sie hätten ihn raten lassen, was wir wohl für eine Gruppe sind. Er hätte auf Familienfeier mit Töchtern, Müttern, Tanten und Großmüttern getippt. „Du bist dann wohl unsere Mutti!

Da habe ich aber nochmal Glück gehabt und bin knapp an der „Omi“ vorbeigeschrammt.


13.8.25

Über die Feinfühligkeit kleiner Brüder

Anja. So hieß die allererste Freundin meines Bruders Marcus. Und so heißt auch seine zweite.

In einer Zeit, in der sich die gesamte Familie ein Festnetztelefon zu teilen hat, geht das nicht lange gut.

Als unser sechsjähriger Bruder Christian eines Tages einen Anruf von Anja entgegennimmt, ruft er laut durchs Haus: „Marcus! Anja 2 will Dich sprechen!“

Das hätte schief gehen können. Doch „Anja 2“ hat sich von unserer schrägen Familie zum Glück nicht abschrecken lassen und wenige Jahre später ihre Jugendliebe einfach geheiratet. Und so sind Christian und ich zu einer super Schwägerin gekommen.

5.8.25

Was für eine (erste) Frage!

Hallo“, begrüßt mich der junge Mann, der an der Hausecke steht, „sind Sie verheiratet?

Ich muss grinsen. „Warum fragen Sie mich denn sowas?

Seine Antwort lässt mich weiterhin im Dunkeln tappen: „Warum denn nicht?

Jetzt frage ich mich schon die ganze Woche, ob ich nicht nochmal eine Frage hätte folgen lassen sollen. Ich bin doch sonst nicht um Fragen verlegen!

20.7.25

Alter ist relativ

Meine kleine Patentochter Marlou wird zehn Jahre alt. Sie ist ein sehr fantasievolles Mädchen, das sich gern Geschichten ausdenkt und viel Freude am Spielen und Herumtollen mit anderen Kindern hat.

Mein eigener runder Geburtstag steht vor der Tür, und mein Freund Ralf feiert am gleichen Tag wie Marlou sogar seien 70.! Mein soziales Umfeld und ich haben also bereits ganz andere Strecken zurückgelegt – und sind schon längst mehr in die Kategorie „Jung“ einzuordnen.

„Und, wie fühlst Du Dich heute, mit Deinem zweistelligen Alter“, will ich von Marlou wissen, als wir miteinander telefonieren.

„Ganz gut“, antwortet sie, „aber eigentlich will ich ja lieber jung bleiben.“

(Ich an meinem 13. Geburtstag; fotografiert von meinem Vater, der die Stimmung der Gäste mithilfe meiner  schon längst ausrangierten  Puppen und Stofftiere aufpeppen wollte. Was ihm gelungen ist.)



30.6.25

Ein paar oder ein Paar?

Biomülltüten sind seit kurzem rar in Nürnberg. Man muss sie sich an ausgewählten städtischen Stellen regelrecht erbetteln.

„Ich hätte gern ein paar Biomülltüten für meine Haus-Mitbewohner und für mich“, sage ich dem städtischen Mitarbeiter hinter dem Tresen im Rathaus.

„Sind Sie sicher“, fragt er mich, und als ich dies bejahe, schiebt er mir generös zwei Tüten zu 

„Ich bräuchte mehr“, sage ich ihm, „ich muss doch das ganze Haus missionieren.“ Denn etliche im Haus benutzen leider noch immer die seit Mai verbotenen biologisch abbaubaren Plastiktüten zur Entsorgung ihrer Küchenabfälle.

„Ich hatte sie doch extra gefragt, ob Sie sich sicher sind“, erwidert der Mann nun fast neunmalklug. „Ein Paar, das sind doch nun mal genau zwei.

Man, hat man es manchmal schwer mit den Männern! 

21.6.25

Dieses fehlende „R“ wäre so manchem Nürnberger vermutlich sehr viel Wert

War mal wieder bei der Blutspende. Als die 500ml komplett sind, verbindet mir ein Mitarbeiter den Arm. 

Ohne Brille kann ich den Namen auf seinem Namensschild nicht richtig lesen. Fast scheint es mir, es handelte sich bei ihm um Herrn Fürth.

„Nein“, sagt er, „Fürth, wie die Stadt ohne R“. Aber erst kürzlich hätte tatsächlich ein Herr Fürth bei ihm Blut gespendet. 

Ich frage mich, welcher der beiden Herren wohl den anderen beneidet hat. Herr Fürth den Herrn Füth, weil er nicht wie die verschmähte Nachbarstadt Nürnbergs heißt. Oder Herr Füth den Herrn Fürth, weil der bei Nachfragen ganz einfach sagen kann „Fürth, wie die Stadt“.



6.6.25

Antonius mit kurzer Reaktionszeit

Kaum bei meinen Freunden in Frankfurt angekommen, vermisse ich meine Geldbörse.

„Du musst den Heiligen Antonius anrufen“, rät Stefan mir.

Von so etwas halte ich ja nichts, auch wenn ich mittlerweile sogar an der katholischen Frauenkirche führe. Auch dort haben wir ein Bildnis und eine Statue eines Antonius. Bei ihm handelt es sich zugegebenermaßen nicht um den Schutzpatron der verlorenen Dinge, sondern um den Einsiedler und Asket Antonius der Große, erkennbar am Schweinchen (siehe Foto).

Kaum beendet Stefan seinen Satz, ruft Peter aus dem Gäste-WC: „Gehört jemandem von Euch diese Geldbörse hier?“ 

Mit der Hilfe durch den Heiligen Antonius hatte ich nicht gerechnet, geschweige denn, dass sie so schnell erfolgt. Vielleicht sollte ich meine „Glaubenssätze“ noch einmal überdenken.

(Ausschnitt aus dem Tucher-Altar in der Kirche Unsere liebe Frau in Nürnberg)